SAP Fiori 3.0 – Das neue Designkonzept von SAP S/4HANA (Basics, Teil 1)

Im Zuge der Einführung der neuen Produktlinie SAP S/4HANA mit der neuen HANA-Datenbanktechnologie und Cloud-Plattform-Modellen bekam auch das SAP Fiori Design- und Anwendungskonzept von 2013 – Fiori 1.0 – eine Neuauflage. Nun mehr ist seit September 2019 SAP Fiori 3.0 mit SAP S/4HANA Cloud 1908 bzw. SAP S/4HANA 1909 ausgerollt. Diese überholte Weboberfläche stellt somit einen vielseitigen SPE (Single Point of Entry) dar, um dem Endanwender geräteunabhängig die Bearbeitungen seiner verschiedenen Business Cases zu ermöglichen. Dabei versteht sich SAP Fiori 3.0 keineswegs nur als technisches Update, sondern als zukunftsweisende SAP-Anwendungsoberfläche im Zeitalter von Industrie 4.0. Mit Hilfe der SAP UI5-Technologie können Sie als SAP-Kunde eine Vielzahl an neuen Applikationen und Möglichkeiten mit Ihren kompatiblen UI5-Anwendungen der neuen Generation, wie bspw. SAP S/4HANA, Ariba oder auch SAP SuccessFactors nutzen. Dies ermöglicht Ihnen das gesamte Potential Ihrer SAP-Systemlandschaft in Echtzeit auszuschöpfen.

Damit Sie ein Gefühl für die tiefgreifenden Änderungen im Kontext von Fiori und die damit einhergehenden Umstellungen bzw. Anpassungen von Berechtigungen bekommen, werde ich in diesem Blog auf die Kernbestandteile und Grundlagen des neuen SAP Interface eingehen. Dies soll Ihnen die Möglichkeit bieten, tiefer in das Thema einzutauchen und vor allem aber auch, die Herausforderungen sowie das Potential dieser weiterentwickelten Technologie zu erkennen, da SAP das Fiori-Konzept als den Standard für die Zukunft fokussiert.

Die Kernprinzipien von SAP Fiori

Der Grundgedanke von Fiori ist, dem Endanwender applikationsübergreifend ein intuitives, rollenbasiertes und auch einheitliches User Interface zu bieten, mit denen in Echtzeit komplexe Anwendungsfälle analysiert, bearbeitet und angepasst werden können. Um dies zu ermöglichen, verfolgt SAP Fiori folgende fünf Kernprinzipien:

  • Rollenbasiert: Dies bedeutet die Individualisierung der Fiori-Benutzeroberfläche (Launchpad) für den Endbenutzer, je nach relevanten Anwendungsfall und Aufgabengebiet. Dadurch hat der Benutzer mittels der Benutzergruppe nur auf die ihm entsprechenden Informationen Zugang.
  • Ansprechend: Das neue Oberflächendesign mit dem Belize Theme und den vielseitigen Funktionen ermöglicht es, den Arbeitsalltag für den Anwender angenehmer und produktiver zu gestalten.
  • Kohärent: Durch das einheitliche Design und die interdisziplinären Schnittstellen zwischen den kompatiblen Unternehmensanwendungen wird ein konsistentes Bild geschaffen. Dies ermöglicht einen intuitiven Lernprozess und gleichzeitig die Bearbeitung verschiedener Aufgaben.
  • Einfach: Mittels Fiori wird die schnelle und fokussierte Bearbeitung von Anwendungsfällen ermöglicht. Nun kann ein Anwender für einen Anwendungsfall mit nur drei Klicks die notwendigen Aufgaben erfüllen bzw. Informationen erhalten.
  • Adaptiv: Je nach Einsatzszenario kann Fiori auf mobilen Endgeräten, aber auch auf stationären Rechnern, Betriebssystem und Browser übergreifend genutzt werden. Das fördert eine praxisnahe Umsetzung der Arbeitsabläufe, ohne dabei von einem fixen Arbeitsplatz abhängig zu sein.

Der Wechsel von Fiori 2.0 zu Fiori 3.0

Wie schon beim Vorgänger liegt auch bei SAP Fiori 3.0 die SAPUI5-Bibliothek zugrunde, sodass sich auch die genannten Grundprinzipien und Guidelines für Fiori nicht rudimentär geändert haben. Das Fiori Launchpad bleibt auch weiterhin der Einstiegspunkt für die Weboberfläche. Es gibt drei essenzielle Neuerungen, die ich Ihnen nicht vorenthalten möchte:

  • Cards: Eine der wichtigsten Erneuerungen ist der Ersatz der bekannten Tiles durch Cards. Hierbei geht es vor allem darum, mehr Informationen auf einen Blick zur Verfügung zu stellen und einen vielseitige Detailstruktur zu ermöglichen.
  • Neues Theme: Hinsichtlich der Fiori Theme gibt es auch einen Ersatz für das bekannte Belize Theme und dies nennt sich Quartz Light. Wie schon aus der SAP GUI bekannt, kann man auch hier zwischen altem und neuen Theme wählen.
  • Shell Bar: Dem Endanwender steht nun auch eine neue Headerleiste zur Verfügung. Diese sogenannte Shell Bar wird den SAP Fiori 2.0 Viewport ersetzen. Sie bringt neben einer angepassten Startseite auch ein neues Drop-Down-Menü mit sich, welche über das Firmenlogo bzw. den Avatar abrufbar sind.

Des Weiteren wird seitens SAP mit Fiori 3.0 auch der Prinzipiengedanke der Harmonisierung bzw. Konsistenz weiter vorangetrieben. Dies spiegelt sich besonders in der Vereinheitlichung der bis dato unterschiedlichen Benutzeroberflächen für bspw. SAP Ariba, SuccessFactors, Sales Cloud oder auch Fieldglass wider.

Fiori 2.0
Fiori 3.0

Die Fiori-Architektur

Wenn auch Fiori 3.0 einige Neuerungen mit sich bringt, bleibt die gewohnte Architektur erhalten. Dabei unterscheidet man zwischen zwei sogenannte Deployments: Dem Central Hub Deployment und dem Embedded Deployment. Die Wahl des Deployments hat wiederum starke Auswirkungen auf Ihr Fiori-Berechtigungskonzept und sollte im Voraus genau validiert werden. Nun aber zu den Inhalten der beiden Optionen:

  • Central Hub: Bei dieser Form sind der Fiori Frontend-Server und der HANA Backend-Server voneinander getrennt.
Central Hub Deployment
  • Embedded: In diesem Szenario sind der Frontend-Server und der Backend-Server in einer Instanz zusammengefasst.
Embedded Deployment

Aktuell empfiehlt die SAP ein Embedded-Szenario aufzubauen, da dadurch nicht nur ein zusätzliches System gespart werden kann, sondern vor allem die Problematik eines Releasewechsels umgangen wird. Das heißt, es ist derzeit nicht möglich, mehrerer SAP S/4HANA-Systeme unterschiedlicher Versionen mit Hilfe eines zentralen Frontend-Server zu betreiben, da auf dem Server nicht mehrerer Versionen derselben Softwarekomponente installiert werden können. Durch eine zusammengefasste Instanz hat man so immer den gleichen Release-Stand.

Die Fiori-Applikationen

Nachdem wir gemeinsam die Architektur von Fiori betrachtet haben, schauen wir uns nun die unterschiedlichen Applikationen an. Dabei unterscheidet man in drei Applikationstypen, wobei diese auch nochmal untergliedert sind. Der Einsatz dieser Typen kommt ganz auf den Anwendungsfall und die technischen Voraussetzungen an. Dabei stellt der UI5 Framework eine tragende Rolle dar, da nicht jede Applikation gleichzeitig das HTML5 Coding unterstützt. Es gibt folgende Anwendungstypen:

  • SAP UI5 Fiori Apps (basierend auf HTML5): Bei diesem Typ unterscheidet man in transaktionalen, analytischen und Fact-Sheet Apps.
  • SAP Fiori Legacy Apps: Dies sind GUI-basierte Applikationen in einem HTML bzw. Web Dynpro.
  • SAP Fiori Search: Dabei handelt es sich um die im Fiori Launchpad integrierte SAP Fiori-Suche, um unternehmensweite spezifische Suchanfragen starten zu können.

Fazit

SAP Fiori mit der neusten Version bietet zahlreiche neue Features und Anwendungsmöglichkeiten, mit denen Sie mobil und unabhängig Ihren Arbeitsalltag bestreiten können, ohne dabei den Überblick zu verlieren oder gar zeitintensive Systemrecherchen betreiben zu müssen. Es zählt zu eine der wichtigsten Erneuerungen im Kontext von SAP S/4 HANA und wird in Zukunft auch deutlich stärker in den Vordergrund für sämtliche Business Cases rücken. Damit auch Sie die Möglichkeit haben, Fiori zu nutzen, werde ich in meinen weiteren Blogs auf die Berechtigung und Administration von SAP Fiori eingehen.

Falls Sie direkt mehr über unsere Best-Practice-Vorgehensweise oder die Berechtigungen für SAP Fiori erfahren möchten, stehen wir Ihnen gerne jederzeit zur Verfügung. Darüber hinaus bieten wir Ihnen zahlreiche Services und Produkte an, um Sie bei der Wartung Ihres Berechtigungswesen sowie der Migration auf SAP S/4HANA und Fiori zu unterstützen.

Lesen Sie hier Teil 2 des Beitrags: Bau von Berechtigungsrollen in SAP Fiori

Alexander Sambill
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